Srećan Božić oder einfach Frohe Weihnachten
Wir haben unser erstes Weihnachtsfest in Montenegro gefeiert und sind absolut begeistert.
Tatsächlich haben wir zweimal gefeiert, weil wir Ende Dezember zu unseren Lieben nach Deutschland geflogen sind und wunderschöne Tage mit der Familie und Freunden verbracht haben.
Wir waren aber neugierig auf das Fest hier und sind daher wieder pünktlich nach Lipovo zurück gekommen. In "unserem" Teil Montenegros ist der überwiegende Teil der Bevölkerung serbisch-orthodox und daher wird Weihnachten hier erst am 6. Januar gefeiert oder besser gesagt am 7. Januar. Für uns war es ein wenig seltsam, an Sylvester über den Weihnachtsmarkt zu schlendern und alle bei den Vorbereitungen zu sehen, aber auch sehr schön. Es ist alles ein wenig einfacher gehalten, dafür steht die montenegrinische Herzlichkeit im Vordergrund.
Hier wird noch sehr traditionell gefeiert. Geschenke standen dabei nicht einmal annähernd im Vordergrund. Maximal die Kinder haben etwas Süßes bekommen, aber das war auch schon alles. Viel wichtiger war das Beisammensein und - das lässt sich nicht leugnen: das Essen. Kleiner Tipp am Rande: Wer einmal in Montenegro zu Weihnachten eingeladen ist, esst drei Tage vorher nichts (und danach auch nicht, aber das ergibt sich dann von alleine).
An Heilig Abend startet das Ganze Fest: die Männer gehen in den Wald und holen Eichenzweige oder besser gesagt kleine Stämmchen, die in etwa haushoch sind. Die Frauen sind derweil zu Hause und bereiten das Essen vor. Es gibt fast ausschließlich hausgemachtes Essen und davon jede Menge. Man ist also zusammen in der Küche, kocht, backt, trinkt Kaffee und erzählt sich eine Menge. Es ist ein Kommen und Gehen und jeder ist willkommen. Das ist viel gemütlicher als man es sich vorstellt und es kommt nicht einmal annähernd das Gefühl von Stress auf.
In der Nacht wird nach der Messe vor den Kirchen ein Feuer mit einem Teil der Hölzer entfacht. Der Rest wird Zuhause vor die Tür gestellt. Gäste nehmen ein Stück und werfen es in das Feuer im Haus, also in den Kamin oder die Küchenhexe, die hier noch in fast jedem Haushalt zu finden ist. Der erste Weihnachtstag ist traditionell der Familie gewidmet, man besucht sich gegenseitig und bekommt etwas zu essen angeboten. Familie ist in Montenegro ein relativ weitläufiger Begriff, es gehören recht viele Menschen dazu, man bleibt meist ein bis zwei Stunden und geht dann weiter. Und dabei strahlt trotzdem jeder die typisch montenegrinische Gemütlichkeit aus. Abends gibt es noch ein großes Feuerwerk mit Raketen und Knallkörpern.
Ein spezielles Brot wird an Weihnachten gebacken und kunstvoll verziert. In dem Brot befindet sich eine Münze, wer diese erwischt, hat das ganze Jahr über Glück.
Der zweite Weihnachtstag ist ähnlich gestaltet wie der erste, allerdings besuchen sich nun eher Freunde, Nachbarn und die entferntere Verwandtschaft. Auch hier besteht der Tag hauptsächlich aus Essen, Beisammensein und Unterhaltungen.
Wir haben es sehr genossen und uns über jede Einladung gefreut. Ein Stück weit sind wir hier angekommen und es hat uns aufrichtig gefreut, dass wir zu einem selbstverständlichen Teil der Menschen hier geworden sind. Wir haben sehr nette Menschen getroffen und uns nett unterhalten, auch wenn es immer noch eine Sprachbarriere gibt, aber auch das wird immer besser. Mindestens 3 kg haben wir zugenommen, die müssen jetzt erst einmal runter, aber das Essen war einfach zu gut :-).
Jetzt kehrt wieder der Alltag ein - und das ist auch gut so.
Liebe Grüße aus Lipovo
Manu & Johannes
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